Wie können Städte den steigenden Temperaturen begegnen? Heute trafen 130 Expert*innen aus Schweizer Forschung, Praxis und Behörden zusammen, um die Herausforderungen urbaner Hitze und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit zu diskutieren und innovative Lösungsansätze vorzustellen. Im Fokus standen neueste Erkenntnisse aus Wissenschaft und Anwendung zu Temperaturmessung, Modellierung und Anpassungsstrategien. Die Konferenz wurde gemeinsam vom Swiss TPH und der Universität Basel organisiert.

Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen sind ein deutliches Zeichen des Klimawandels und stellen ein Risiko für die öffentliche Gesundheit dar. Im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und des Bundesamts für Umwelt (BAFU) ermittelt das Swiss TPH die hitzebedingten Todesfälle in der Schweiz. Die neuesten Zahlen zeigen: Im Sommer 2024 wurden rund 326 Todesfälle auf die Hitze zurückgeführt. Es war der sechstwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Besonders betroffen waren die südlichen Regionen.
«Die Ergebnisse verdeutlichen die gesundheitlichen Folgen von Hitze und den dringenden Handlungsbedarf für Schutzmassnahmen – ebenso wie die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit aller Akteure», sagte Martina Ragettli, Projektleiterin am Swiss TPH und Mitglied des Organisationskomitees. «Deshalb haben wir Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen und Sektoren zusammengebracht, um Wissen auszutauschen und Lösungen für diese drängende Herausforderung zu entwickeln.»
Einblicke und Innovationen aus der Schweiz und dem Ausland
Die Konferenz «Beat the Heat» diente als Plattform für den Austausch zwischen Forschung, Praxis und Behörden in der Schweiz. Die Expert*innen zeigten, wie Wissenschaft, Planung und Politik Hand in Hand wirken können, um die Gesundheit in einem wärmer werdenden Klima zu schützen. Gabriele Manoli von der die Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hob die Bedeutung der Temperaturmodellierung urbaner Systeme hervor: «Zu wissen, wann und wo Menschen am stärksten exponiert sind, ist entscheidend, um die Hitze zu bekämpfen.»
Praxisnahe Einblicke in die Stadtplanung gaben Susanne Fischer und Marc Pfister vom Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, die die Strategie und Massnahmen zur Klimaanpassung in Basel vorstellten. Ihre Botschaft war klar: «Um die Hitzeinseln zu bekämpfen, müssen alle städtischen Akteur*innen an einem Strang ziehen.»
Auch die Privatwirtschaft war vertreten: Andreas Wicki von GEO Partner AG betonte die Bedeutung wissenschaftlicher Grundlagen für die Stadtplanung: «Städte zu gestalten bedeutet auch, das Klima zu gestalten – deshalb ist die Stadtklimaanalyse zentral.»
Eine internationale Perspektive brachte Cathryn Tonne vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) ein. Sie zeigte auf, dass Klimaschutz und -anpassung, zum Beispiel durch die Schaffung von Grünanlagen, auch zahlreiche Vorteile für die Gesundheit bieten: «Die Gesundheit ins Zentrum von Klimaschutzmassnahmen zu stellen, eröffnet grosse Chancen für die Förderung der öffentlichen Gesundheit.»
Forschung und Lösungen an der Schnittstelle von Klima und Gesundheit
Klima und Umwelt ist eines von fünf strategischen Themenfeldern am Swiss TPH. Mit Expertise in der Umweltepidemiologie und mathematischer Modellierung bis hin zu vektorübertragenen Krankheiten, Stadtplanung und Pestizidexposition betreibt das Swiss TPH transdisziplinäre, praxisorientierte Forschung an der Schnittstelle von Klima, Umwelt und Gesundheit. Gemeinsam mit lokalen und globalen Partnern entwickeln wir integrierte Lösungen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern und die Gesundheit zu verbessern.