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HIV im südlichen Afrika: Test und Behandlungsstart zuhause erhöht Therapieerfolg

06.03.2018

HIV-Tests zuhause und sofortiger Beginn der Behandlung mit antiretroviraler HIV-Therapie erhöhen die Zahl therapierter PatientInnen und den Behandlungserfolg. Das zeigt eine klinische Studie in Lesotho, die das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut mit dem Schweizer Hilfswerk SolidarMed und der Regierung von Lesotho durchgeführt hat. Die heute in der renommierten Zeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA) publizierten Resultate sind wegweisend für künftige Behandlungsstrategien von HIV/Aids im südlichen Afrika.

Mit der neuen Behandlungsstrategie konnte die Zahl der behandelten Patienten in Lesotho markant erhöht werden. (Foto: Christian Heuss/Solidarmed)

 Lesotho im südlichen Afrika gehört zu den am stärksten von HIV betroffenen Ländern der Welt. Ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung ist mit HIV infiziert. Viele Menschen kennen ihren HIV-Status jedoch nicht und stehen daher auch nicht unter Behandlung. Insbesondere in den abgelegenen Bergregionen Lesothos ist der Zugang zu HIV-Tests und Behandlung erschwert. Schlechte Verkehrswege und mehrstündige Fussmärsche zum nächsten Gesundheitszentrum führen dazu, dass Patient/innen die Therapie nicht beginnen oder schnell wieder abbrechen.

Die von Niklaus Labhardt und seiner Forschungsgruppe am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) entworfene klinische Studie überprüft einen neuen Ansatz. Feldteams der Schweizer Hilfsorganisation SolidarMed besuchten abgelegene Dörfer im Norden Lesothos. Lokale Gesundheitsarbeiter und Krankenpflegende suchten jeden Dorfhaushalt auf und boten den BewohnerInnen einen freiwilligen HIV-Test an. Positiv getestete Personen erhielten direkt vor Ort die benötigten Informationen zur Therapie und die antiretroviralen Medikamente. So konnten die Patienten die Therapie am selben Tag zuhause beginnen.

Ein wichtiger Schritt zum Erreichen der 90-90-90 Ziele

«Mit dieser Strategie erreichen wir auch HIV-infizierte Menschen in abgelegenen ländlichen Gegenden, die sich sonst nicht auf HIV testen lassen und auch nicht die lebenswichtige antiretrovirale Therapie beginnen würden, da der Weg zum Spital oft sehr weit und aufwendig ist», sagt Studienleiter und HIV-Spezialist Niklaus Labhardt, der derzeit am Universitätsspitals Basel arbeitet. «Mit diesem einfachen Ansatz können wir Patienten schneller und erfolgreicher eine Therapie anbieten». Die heute in der Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA) und an der “Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections” in Boston vorgestellten Resultate zeigen das Potential dieses Ansatzes.

Verglichen mit der bisherigen Behandlungsstrategie nimmt die Zahl der behandelten Patienten markant zu. Drei Monate nach dem zuhause erfolgten HIV-Test stehen 69% der Patienten unter Therapie. Das sind über ein Viertel mehr Patienten als mit dem herkömmlichen Ansatz (43%). Auch die Therapietreue ist bei diesen Patienten deutlich höher. Ein Jahr nach Therapiebeginn sind bei gut der Hälfte der Patienten keine HI-Viren im Blut mehr nachweisbar. Dies bedeutet, dass diese Patienten nicht mehr ansteckend sind und nicht an AIDS erkranken. Im Vergleich dazu ist das nur bei einem Drittel der Personen mit bisheriger Behandlungsstrategie der Fall.

Die publizierte Studie ist eine der ersten klinischen Studien, die diese Strategie zum Erreichen der 90-90-90 Ziele der Weltgesundheitsorganisation WHO und des UNO-Programms UNAIDS testet. Mit den 90-90-90 Zielen sollen weltweit bis ins Jahr 2020 90% der HIV-infizierten Menschen ihren HIV-Status kennen. Mindestens 90% der positiv-getesteten Patienten sollen eine Therapie erhalten und bei 90% von ihnen soll die Therapie dazu führen, dass das Virus nicht mehr nachgewiesen werden kann. Da Menschen unter antiretroviraler Therapie keine Viren auf ihre Sexualpartner übertragen können, ist eine effektive Behandlung zugleich Prävention und Therapie.

«Unsere Studie ist ein wichtiger Schritt Richtung 90-90-90», sagt Niklaus Labhardt. «Diese neue Strategie sollte Teil der täglichen Routine in der Gesundheitsversorgung im südlichen Afrika werden.»