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Andrej Trauner gewinnt den swissTB-Award

21.03.2018

1.7 Millionen Menschen sterben pro Jahr an Tuberkulose und Resistenzen gegen heutige Behandlungsformen steigen weiterhin. Daher sind ein verbessertes Verständnis über die Krankheit und die Entwicklung neuer Medikamente von grosser Bedeutung. Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tags 2018 zeichnet die Schweizerische Stiftung für Tuberkulose-Forschung Andrej Trauner, Wissenschaftler am Swiss TPH, und Anna Rominski mit dem swissTB-Award aus. Andrej Trauner erhält den Preis für seine Forschungsarbeit über die Wirksamkeit von Kombinationstherapien gegen Tuberkulose-Bakterien.

Andrej Trauner, Swiss TPH, erhält den diesjährigen swissTB-Award für seine Forschungsarbeit über die Wirksamkeit von Kombinationstherapien gegen TB. (Foto: Joachim Pelikan/Swiss TPH)

Schätzungsweise 10 Millionen Menschen werden auch im Jahr 2018 an Tuberkulose (TB) erkranken. In den meisten Fällen können sie geheilt werden, doch für viele wird die Infektion der Beginn eines langwierigen Kampfes gegen resistente TB-Bakterien bedeuten.

Wieso wirken Kominationstherapien?

Seit Antibiotika gegen TB verwendet wird, treten auch Resistenzen auf. Die beste Möglichkeit, Resistenzen zu verhindern, ist die Behandlung mit verschiedenen Antibiotika zur gleichen Zeit. Wieso diese Kombinationstherapien so gut wirken, war bislang jedoch weitgehend unklar. 

Andrej Trauner vom Swiss TPH leistete mit seiner Forschung einen wichtigen Beitrag, um die Wirkmechanismen von Kombinationstherapien zu verstehen. Die Schweizerische Stiftung für Tuberkulose-Forschung honoriert seine Arbeit mit dem swissTB-Award 2018. Andrej Trauner teilt den Preis mit Anna Rominski vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich. Der swissTB-Award zeichnet jährlich herausragende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der der Tuberkulose aus, welche zum grössten Teil in der Schweiz durchgeführt wurden.

“Erfolgreiche Behandlung von Tuberkulose erfordert den Gebrauch mehrerer Antibiotika zur selben Zeit. In unserer Studie fanden wir molekulare Markierungen für den Erfolg dieser Strategie. Dieses Wissen können wir nun nutzen, um neue Kombinationstherapien effizienter auf ihre Wirkung zu untersuchen”, fasst Andrej Trauner seine Resultate zusammen.

“Neues Verständnis könnte die TB-Forschung beschleunigen”

Jedes Mal wenn ein Bakterium sich teilt und somit vermehrt, kann sich sein Erbgut verändern – es mutiert. Damit kann das Bakterium durch Zufall neue Eigenschaften gewinnen, die auch zur Resistenz gegen Antibiotika führen können. Da Bakterien sich beinahe ständig vermehren, können solche Resistenzen schnell entstehen. Gemeinsam mit Kollegen verfolgte Andrej Trauner die Veränderungen von TB-Bakterien während der Behandlung von TB-Patienten. Die Forscher beobachteten, dass wenn die Therapie nicht kraftvoll genug ist, die TB-Bakterien dank diesen ständigen Mutationen tatsächlich erfolgreich einen neuen Weg zur Resistenz finden. Jedoch, eine genügend effiziente Kombinationstherapie reduziert die Möglichkeit der Bakterien, neue Wege zu finden und die Entwicklung einer Resistenz wird so verhindert.

Obwohl diese Resultate intuititiv klingen, ist diese Studie die erste, welche das Phänomen der Resistenzentwicklung innerhalb von Patienten zeigt. „Das Wissen, wie sich Bakterienpopulationen bei der Gabe von Medikamenten verändern, erlaubt uns, die Wirksamkeit neuer Kombinationstherapien effizienter zu untersuchen“, so Trauner. „Wir hoffen, dass diese Erkenntnisse die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen wird".

Antimikrobielle Resistenzen (AMR) nehmen zu

Resistenzen nehmen weltweit zu. Jedes Jahr sterben rund 700‘000 Personen aufgrund einer Infektion durch resistente Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Experten schätzen, dass  ohne Gegenmassnahmen die Sterberate auf über 10 Millionen pro Jahr ansteigt. Rund ein Viertel davon wird durch resistente TB-Bakterien verursacht sein. Der fehlerhafte und übermässige Einsatz von Antibiotika in Mensch und Tier beschleunigt diesen Prozess.

Von der Forschung bis zur Gesellschaft

Swiss TPH ist ein weltweit führendes Institut mit einer grossen Vielfalt an Projekten im Feld von TB und antimikrobieller Resistenzen. Das Swiss TPH arbeitet in fünf Kontinenten zu TB bei Mensch und Tier, von der Grundlagenforschung bis zur Implementierung von Gesundheitssystemen.