Neue Studie zur Erprobung prophylaktischer Behandlungen für COVID-19-Kontaktpersonen

23.04.2020

Mit der Lockerung der Massnahmen besteht ein dringender Bedarf an Instrumenten und Ansätzen zur Eindämmung potenzieller neuer COVID-19-Ausbrüche. Akademische Partner in Genf und Basel haben sich zusammengeschlossen, um eine klinische Studie zur Erprobung von zwei Medikamenten für die prophylaktische Behandlung von Personen zu starten, die mit neu bestätigten COVID-19-Patienten in Kontakt waren.

Die neue klinische Studie testet zwei Medikamente für die prophylaktische Behandlung von COVID-19-Kontaktpersonen. (Foto: Louis Brisset, Universitätsspital Genf)

Mit der schrittweisen Lockerung der Massnahmen in der Schweiz ist es von zentraler Bedeutung, neue COVID-19-Ausbrüche zu überwachen und diese rechtzeitig und wirksam einzudämmen. Heute wurde gleichzeitig in Genf und Basel eine klinische Studie gestartet, um die Wirksamkeit von zwei Medikamenten bei der Behandlung von Personen zu beurteilen, die in engem Kontakt mit neu bestätigten COVID-19-Fällen standen.

Die präventive Behandlung von Kontaktpersonen eines Indexpatienten wird als "Postexpositions-Ring-Chemoprophylaxe" bezeichnet. "Die Postexpositions-Prophylaxe könnte ein pragmatischer Ansatz sein, um neue Ausbrüche in einem frühen Stadium einzudämmen oder zu verlangsamen", sagt Alexandra Calmy, Leiterin der HIV-Einheit, Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsspital Genf, die das Projekt leitet. "Der Schutz von Kontaktpersonen vor dem Erkranken ist nicht nur aus individueller Sicht wünschenswert, sondern könnte sich auch als innovativer Public-Health-Ansatz erweisen".

Das Projekt COVID-19 Post-Exposure Prophylaxis (COPEP) ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Universitätsspital Genf, dem Universitätsspital Basel und dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH). COPEP wird mit einem Grant von Edmond de Rothschild, der Union Bancaire Privée, der Fondation pour la Recherche et le Traitement Médical und der Privatstiftung des Universitätsspital Genf finanziert. Die Studie wird die Wirksamkeit von zwei Medikamenten bewerten. Mehr als 400 Personen, die in engem Kontakt mit neu diagnostizierten COVID-19-Patienten standen, werden in die Studie aufgenommen.

Test von zwei umfunktionierten Medikamenten

Die Kontaktpersonen werden nach dem Zufallsprinzip in eine von drei Gruppen eingeteilt. In der ersten Gruppe wird den Studienteilnehmenden eine Einzeldosis des Malariamedikaments Hydroxychloroquin verabreicht. Die Teilnehmenden der zweiten Gruppe erhalten fünf Tage lang das Anti-HIV-Medikament Lopinavir/Retonavir. Den Teilnehmenden der dritten Gruppe wird keines dieser beiden Medikamente verabreicht. Alle Studienteilnehmende werden täglich auf Symptome von COVID-19 überwacht.

Nach drei Wochen untersuchen die Prüfärzte, ob die Teilnehmende eine Infektion entwickelt haben und, falls ja, wie schwerwiegend sie war. "Sollten sich eines oder beide der zwei neu verabreichten Medikamente als wirksam erweisen, könnten wir beim Auftreten neuer Fälle rasch reagieren und so die befürchtete zweite und dritte Welle der Pandemie abflachen", sagt Niklaus Labhardt, Forschungsgruppenleiter am Swiss TPH und Oberarzt am Universitätsspital Basel.

 

Medienkontakte:

  • Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH), Sabina Beatrice-Matter, Leiterin Kommunikation, +41 79 737 9158, sabina.beatriceswisstph.ch
  • Universitätsspital Genf (HUG), Service de presse et relations publiques, +41 22 372 37 37, presse-hughcuge.ch