Zwei Jahrzehnte Schweizer Vorreiterrolle bei neuen Malariamedikamenten

24.04.2019

Am Welt-Malaria-Tag 2019 blicken Schweizer Organisationen auf zwanzig Jahre erfolgreicher Forschungskooperationen für neue Malariamedikamente zurück. Die federführende Rolle der Schweiz im Kampf gegen Malaria erhielt vor zwanzig Jahren mit der Gründung der ersten Produktentwicklungspartnerschaft eine neue Dynamik. Dies trug zur Entwicklung von elf neuen Medikamenten bei und half, mehr als 1,9 Millionen Leben weltweit zu retten. Am 24. April treffen sich Schweizer Behörden, die Swiss Malaria Group, globale Gesundheitsorganisationen und die diplomatische Gemeinschaft in Genf, um gemeinsam 20 Jahre erfolgreicher Schweizer Zusammenarbeit zu feiern und das weitere Vorgehen zur Eliminierung von Malaria zu diskutieren.

Forschende am Swiss TPH testen Wirkstoffe auf ihre Wirkungsweise gegen Malariaparasiten. (Foto: Joachim Pelikan)

Lange Geschichte führender Schweizer Malariaforschung

Die Schweiz hat eine lange Geschichte im federführenden Engagement gegen Malaria. Hochstehende Malariaforschung wird seit über siebzig Jahren am Swiss TPH sowie an grossen Schweizer Universitäten und in Schweizer Pharmafirmen betrieben. Heute gibt es dank Schweizer Beitrag elf neue Malariamedikamente, entwickelt von Medicines for Malaria Venture (MMV), die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) präqualifiziert oder von anderen Genehmigungsbehörden anerkannt sind. MMV war die erste Produktentwicklungspartnerschaft und revolutionierte die Entwicklung von Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten.

"Die Zusammenarbeit zwischen der privaten Pharmaindustrie und dem akademischen Sektor hat gezeigt, wie viel effizienter wir Medikamente entwickeln und den Menschen zugänglich machen können", sagt Marcel Tanner, emeritierter Direktor des Swiss TPH und Präsident der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften. "Aus der Schweiz – insbesondere aus der Region Basel – sind viele Innovationen gekommen, die weltweit tausende von Menschenleben retten."

Vier Faktoren trugen gemäss einer kürzlich erschienenen Studie im wissenschaftlich begutachteten Malaria Journal zur Schweizer Führungsrolle in der Erforschung neuer Malariamedikamente bei:

  • Die Schweizer Geschichte wissenschaftlicher Exzellenz und der Fähigkeit, neue Forschende anzuziehen
  • Das seit langem bestehende Engagement in der Förderung von Gesundheit als Menschenrecht
  • Eine hochinnovative pharmazeutische Industrie mit der Bereitschaft, in Armutskrankheiten zu investieren
  • Die Schweiz als Standort internationaler Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und Nonprofit-Produktentwicklungspartnerschaften, die Malariaexpertise zusammenführen.


Zwanzig Jahre innovativer Zusammenarbeit

Vor zwanzig Jahren erschien die Entwicklung dringend benötigter neuer Instrumente zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Malaria nahezu unmöglich, da Investitionen vom Grossteil der Industrie nicht als wirtschaftlich rentabel betrachtet wurden. Um dieses Problem zu beheben, wurden mit Unterstützung der Schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und weiteren Geldgebern MMV und andere Produktentwicklungspartnerschaften gegründet. Als erste Produktentwicklungspartnerschaft für Malaria bündelte MMV die Anstrengungen des öffentlichen und privaten Sektors, um gemeinsam neue Malariamittel zu entdecken, zu entwickeln und auszuliefern.

„Die DEZA arbeitet daran die Krankheitsbürde armer Menschen zu verringern. Seit 1999 trägt die DEZA zum Kampf gegen Malaria bei, indem sie öffentlich-private Partnerschaften unterstützte, die sich die Exzellenz der Schweizer Forschung zu Nutze machen. Sie fördern die innovative Forschung und Entwicklung im Bereich neue Medikamente, Instrumente der Vektorkontrolle sowie Diagnostika“, erläutert Tatjana von Steiger, Stellvertretende Vizedirektorin, Globale Zusammenarbeit der DEZA.

Seit ihrer Gründung trieb MMV die Entwicklung des grössten Vorrats an Malariawirkstoffen in der Geschichte voran und entdeckte komplett neue Wirkstoffklassen, häufig in Zusammenarbeit mit Schweizer Partnern. Einer der grossen Erfolge ist die Entwicklung des allerersten qualitativ hochstehenden, kinderfreundlichen Malariamedikaments. Coartem® Dispersible (Arthemether-Lumefantrin) wurde in Zusammenarbeit von MMV und Novartis entwickelt und vor zehn Jahren lanciert. Seither lieferte Novartis 370 Millionen Behandlungen ohne Profit aus.

„Heute haben wir eine umfangreiche Pipeline an Malariamitteln dank unseren R&D-Partnern, die daran arbeiten, den Zugang zu neuen Medikamenten zu verbessern. Das wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung der Schweizer Regierung und von Schweizer Forschungs- und Entwicklungspartnern“, sagt Dr. David Reddy, CEO von MMV. „Wir danken der Schweiz auch für ihre Führungsrolle in der Unterstützung anderer Produktentwicklungspartnerschaften. Diese sind die Speerspitze der Entwicklung dringend benötigter Instrumente der Prävention und Diagnose und stellen sicher, dass der Kampf gegen Malaria umfassend und wirkungsvoll bleibt.“

Den Weg für eine Zukunft ohne Malaria ebnen

Am Anlass zum Welt-Malaria-Tag der Swiss Malaria Group in Genf spricht Nationalratspräsidentin Marina Carobbio Guscetti. Sie erklärt: „Noch heute stirbt alle zwei Minuten ein Kind an Malaria. Die Schweiz muss weiter auf ihre Exzellenz in Forschung und Innovation bauen und ihre Anstrengungen erhöhen, damit sie in globaler Zusammenarbeit den Zugang zu Medikamenten verbessern kann, bis alle Kinder sicher sind vor dieser todbringenden Krankheit.“

In den letzten Jahren gab es riesige Fortschritte im Kampf gegen Malaria. Wie der Weltmalariabericht 2018 jedoch zeigt, geriet die Reduzierung der Malariafälle zwischen 2015 und 2017 ins Stocken, und die geschätzte Zahl der an Malaria Verstorbenen blieb mit 435‘000 im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr unverändert. „Das globale Ziel, Malaria bis 2030 zu eliminieren, ist gefährdet. Die internationale Gemeinschaft muss wichtige Herausforderungen bewältigen, darunter die Sicherstellung der Verfügbarkeit und des Zugangs zu wirksamer Behandlung“, sagt Christian Lengeler, Präsident der Swiss Malaria Group und Bereichsleiter beim Swiss TPH. „Das Schweizer Engagement bleibt kritisch. Die Schweiz hat ein grosses Vermächtnis als Innovationstreiber und wir können jetzt nicht einfach zuschauen, wir müssen unsere Anstrengungen verstärken.“