Gebären zu Zeiten von Corona – das Krisenmanagement der Basler Hebammen

24.06.2020

COVID-19 stellte und stellt Hebammen in der Region Basel vor neue Herausforderungen. Elisabeth Kurth, Hebamme und Geschäftsführerin vom Hebammennetzwerk Familystart, spricht im Interview über die Betreuung von Mutter und Kind rund um die Geburt zu Zeiten von Corona. Kurth ist auch assoziierte Mitarbeiterin am Swiss TPH.

Als Fachpersonen im Bereich Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett waren die frei praktizierenden Hebammen während der Corona Pandemie mit neuen Herausforderungen konfrontiert. (Foto: Familystart)

Wie war es während der COVID-19-Welle im Frühjahr in der Region Basel zu gebären?

Zu Beginn der Corona-Epidemie beschäftigte uns Hebammen die Frage, welche Gefahr eine COVID-19-Erkrankung in der Schwangerschaft und für das Neugeborene bedeutet. Zum Glück wurde bald klar, dass eine infizierte Schwangere ihr Kind vor der Geburt kaum anstecken kann, und dass Wöchnerinnen und Neugeborene nicht zu den Risikogruppen für einen schweren Krankheitsverlauf gehören.

Für werdende Eltern war das Besuchsverbot in den Spitälern einschneidend. In den Geburtskliniken der Region Basel war es Vätern erlaubt, während der Geburt dabei zu sein, und Mutter und Kind auf der Wochenbettstation zu besuchen. Weitere Besucher waren hingegen im Spital nicht zugelassen.

Was waren spezielle Herausforderungen für die frei praktizierenden Hebammen?


Zuerst galt es herauszufinden, wie hoch die Ansteckungsgefahr für Hebammen und betreute Familien war. Durfte man noch Hausbesuche durchführen oder sollten sie so weit wie möglich ersetzt werden durch online-Beratungen? Auch mussten wir uns um praktische Dinge kümmern, wie beispielsweise der Beschaffung von Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Und wir begannen uns zu überlegen, wie wir die Gesundheitsversorgung von Mutter und Kind rund um die Geburt aufrechterhalten würden, für den Fall, dass viele Hebammen selber an COVID-19 erkrankten.

Was war das Ziel der Task Force, die ihr initiiert habt?

Das Hebammennetzwerk Familystart gründete zusammen mit der Sektion Beide Basel des Schweizerischen Hebammenverbandes eine Task Force Corona. Ziel war es, die perinatale Gesundheitsversorgung von Wöchnerinnen und Neugeborenen während der Corona-Pandemie zu gewährleisten und auch von COVID-19 betroffene Familien sicher zu betreuen. Als Hebamme und Public Health-Expertin war ich zuständig für das Recherchieren von evidenzbasierten, für die Geburtshilfe relevanten Erkenntnissen. In der Task Force kümmerten wir uns um die Schutzmaterialbeschaffung, bündelten die aktuellen Empfehlungen für die Hebammen und koordinierten die Betreuung von COVID-19-betroffenen Wöchnerinnen. Dazu standen wir in regelmässigem Kontakt mit den Geburtskliniken und den kantonsärztlichen Diensten von Basel-Stadt und Baselland. Familystart und die Hebammensektion beide Basel erstellten auch zusammen ein Muster-Schutzkonzept für die Hebammenhausbesuche.

Gab es in der Region infizierte Wöchnerinnen/Neugeborene? Wie sah deren Betreuung aus?


Die erwartete Welle von Ansteckungen unter werdenden Müttern blieb zum Glück bisher aus. In der Region Basel erkrankten gemäss aktuellem Wissen insgesamt vier schwangere Frauen an COVID-19. Zwei davon waren bis zur Geburt ihres Kindes bereits wieder gesund. Zwei Frauen galten während Geburt und Wochenbett als infiziert und mussten zusammen mit ihrem Neugeborenen unter Isolationsbedingungen betreut werden. Der Krankheitsverlauf bei beiden Wöchnerinnen war milde und die Neugeborenen zeigten keine Symptome.

Die betreuenden Hebammen zogen für den Hausbesuch bei diesen Familien Schutzbekleidung und Schutzbrille an. Schutzkleidung nutzten die Hebammen auch für die Betreuung von fünf weiteren Wöchnerinnen, die mit ihrer Familie wegen Verdacht auf eine COVID-19 Erkrankung unter Quarantäne standen.

Haben sich frei praktizierende Hebammen bisher mit dem Virus infiziert?


Gemäss unseren Informationen haben sich zum Glück keine Hebammen in der Region Basel mit COVID-19 infiziert. Dank der tollen Zusammenarbeit zwischen Hebammensektion, Familystart, Geburtskliniken und kantonsärztlichen Diensten hatten die frei praktizierenden Hebammen Zugang zu den nötigen Informationen und ausreichend Schutzmaterial.