In 25 Jahren konnten mehrere Milliarden Malariaerkrankungen verhindert und Millionen Menschenleben gerettet werden – auch dank Forschung und Innovation aus Basel. Jetzt gerät die globale Finanzierung unter Druck. Basel und die Schweiz haben die Mittel und die Verantwortung, das nicht zuzulassen.
Was wir gemeinsam erreicht haben
Malaria war einst auch in Europa weit verbreitet. Heute wähnen wir uns in Sicherheit – dank jahrzehntelanger Investitionen in Überwachung, Prävention und Behandlung.
Seit dem Jahr 2000 haben Kontrollmassnahmen rund 2,3 Milliarden Malariaerkrankungen und 14 Millionen Todesfälle verhindert, grossenteils in Afrika. Mancherorts wurde Malaria sogar erfolgreich eliminiert. Hinter diesen Zahlen stehen Kinder, die gesünder aufwachsen konnten und heute als Erwachsene zu stabileren Gesellschaften beitragen.
Und Basel ist mittendrin: Das Swiss TPH hat zur erfolgreichen klinischen Entwicklung einer Behandlung ohne Artemisinin beigetragen – ein wichtiger Fortschritt, da Artemisinin mancherorts an Wirksamkeit verliert. Novartis erhielt 2025 die Zulassung für das weltweit erste Malariamittel für Neugeborene. Und Syngenta entwickelte wirksamere Mittel gegen Überträgermücken. Diese Durchbrüche entstanden hier, in unserer Region.
Warum jetzt der falsche Moment zum Nachlassen ist
Und dennoch: Die Zahl der Erkrankungen steigt wieder. Über 600’000 Menschen sterben jährlich an Malaria, die grosse Mehrheit davon Kinder unter fünf Jahren.
Ein Hauptgrund ist der zunehmende Druck auf die Finanzierung. Die USA haben ihren Beitrag zur Malariabekämpfung drastisch reduziert. Andere Geberländer überdenken ihr Engagement.
„Wir könnten Malaria besiegen, aber das globale Engagement nimmt ab.“
Die Folgen wurden sichtbar als 2025 Mückennetz-Kampagnen für Hunderte Millionen Menschen verzögert, Diagnose-Kits knapp, und Lieferketten instabil wurden.
Gleichzeitig breiten sich resistente Parasiten und Überträgermücken aus, die bestehende Massnahmen unterlaufen. Neue Wirkstoffe und innovative Ansätze werden dadurch umso dringlicher.
Die Geschichte lehrt uns: Wo Investitionen und Kontrollmassnahmen nachlassen, da kehrt die Malaria zurück. Es ist die Folge politischer Entscheidungen, die Millionen Mensch in Gefahr bringen, längerfristig auch uns.
Denn Infektionskrankheiten und Stechmücken kennen keine Grenzen. Dass wir uns in der Schweiz nicht mit Malaria infizieren können, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen in Überwachung und Bekämpfung. Je mehr wir deshalb jetzt in Programme in Malariagebieten investieren, desto geringer bleibt das Risiko, dass die Malaria auch bei uns wieder zum Problem wird.
Warum Basel keine Zuschauerrolle hat
Die Schweiz, und Basel im Besonderen, spielt in der globalen Malariabekämpfung eine zentrale Rolle.
Das Swiss TPH in Allschwil betreibt seit Jahrzehnten Forschung im Labor, in der Klinik und gemeinsam mit lokalen Partnern in Malariagebieten. In Basel ausgebildete Fachkräfte leiten heute Gesundheitsministerien und Malariaprogramme. Novartis gehört zu den führenden Entwicklern von Malariatherapien weltweit. Das Ifakara Health Institute in Tansania ist seit 70 Jahren eng mit Basel verbunden – ein Beispiel dafür, wie langfristige Partnerschaften nachhaltig lokale Kapazitäten in Forschung und Umsetzung aufbauen.
„Die Schweiz spielt in der globalen Malariabekämpfung eine zentrale Rolle – von Forschung über Umsetzung bis hin zur globalen Koordination.”
Solche Partnerschaften wirken in beide Richtungen. Was gemeinsam entwickelt wird – Überwachungssysteme, Diagnostika, Behandlungsansätze – stärkt auch die Forschung und Praxis hier. Basel profitiert als Innovationsstandort und als Zentrum internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit.
Was jetzt gefragt ist: Konkret
Wir stehen heute an einem entscheidenden Punkt. Mit verlässlichen Investitionen bleibt die Eliminierung der Malaria vielerorts ein erreichbares Ziel. Davon dürfen wir nicht abrücken!
Auf Bundesebene muss der Schweizer Beitrag an den Globalen Fonds – das wichtigste multilaterale Finanzierungsinstrument in der Malariabekämpfung – ohne Kürzungen weitergeführt werden: das sind CHF 64 Millionen für die Periode 2026 bis 2028. Auch das Engagement der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in der globalen Gesundheit darf nicht weiterer Umschichtung zum Opfer fallen. Gerade jetzt, da andere Akteure zurückhaltender werden, kommt es auf Verlässlichkeit an.
Auf kantonaler Ebene verfügt Basel-Stadt seit 2026 mit dem Gesetz über internationale Zusammenarbeit über ein Instrument, das Gesundheit als Förderpriorität definiert. Dieses Instrument sowie das Basler Standortpaket sollten koordiniert eingesetzt werden – als Investition in globale Gesundheit und zugleich in den Forschungsstandort Basel.
Wir verfügen heute über Massnahmen, Netzwerke und das Wissen, um eine jahrtausendealte Krankheit endgültig zu besiegen. Jetzt nachzulassen, da weiterer Fortschritt möglich ist, wäre eine politische Entscheidung mit schwerwiegenden Konsequenzen: für Millionen Menschen, unter anderem für uns.