„Vertrauen schaffen durch Kommunikation“ – Alumni Interview mit Domenic und Jutta Ganzoni
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09.04.2026 - Domenic und Jutta Ganzoni, Myrta Brunner

Mit dem Ziel, sich fundiert auf Einsätze in der internationalen Zusammenarbeit vorzubereiten, absolvierten Domenic und Jutta Ganzoni als Paar den CAS Internationale Zusammenarbeit und Globale Gesundheit am Swiss TPH. Heute berichten sie von ihren Erfahrungen – vom Graubünden bis nach Kenia und auf die Philippinen.

Bitte stellt euch kurz vor.

Jutta Ganzoni: Im Herbst 2023 absolvierten Domenic und ich den CAS IZGG. Wir entschieden uns, die Module an einem Stück zu besuchen und nicht auf mehrere Jahre zu verteilen.

Die Organisation der zweimonatigen Auszeit von meiner Tätigkeit als Osteopathin war einfacher als erwartet – und ich kehrte mit neuer Motivation und vielen Ideen zu meinen Patientinnen in den Schweizer Bergen zurück.

Schon als Kind wollte ich einen medizinischen Beruf erlernen, und ebenso lange begleitet mich der Wunsch, das Gesundheitsangebot in Ländern mit begrenzten Ressourcen zu unterstützen. Die Weiterbildung am Swiss TPH vermittelte mir ein neues Verständnis – nicht nur für fremde Kulturen, sondern auch für unsere eigene. Es war eine bereichernde Zeit und schön, wieder einmal Studentin zu sein.

Domenic Ganzoni: Bereits vor dem CAS und auch heute bin ich als Hausarzt in Bergün im Kanton Graubünden tätig. Als begeisterter Mediziner hatte ich schon immer den Wunsch, meinen Horizont zu erweitern, innerhalb der Schweiz wie auch im Rahmen internationaler Zusammenarbeit.

"Die gemeinsame Erfahrung hat unseren Horizont erweitert und eine wichtige Grundlage für zukünftige Projekte geschaffen."

Ihr habt den CAS IZGG gemeinsam absolviert – wie kam es dazu?

DG: Schon lange hegten wir beide den Wunsch, uns im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit medizinisch zu engagieren. Im CAS IZGG sahen wir die Möglichkeit, diesen Schritt gemeinsam zu gehen – und das Programm zugleich als Auszeit vom beruflichen Alltag zu nutzen. 

JG: Wir wollten uns nicht einfach blauäugig in ein Projekt stürzen, sondern uns richtig vorbereiten. So kamen wir zum CAS IZGG. Es war sehr schön, dass wir beide das gleiche Ziel verfolgten und uns zusammen auf diesen Weg machen konnten. Es hat Spass gemacht zusammen mit jungen Leuten aus verschiedensten Berufen zu studieren und es war nicht schwierig, uns als Ehepaar in die Gruppe zu integrieren.

DG: Die gemeinsame Erfahrung hat unseren Horizont erweitert und eine wichtige Grundlage für zukünftige Projekte geschaffen.

JG: Seit vielen, vielen Jahren haben Domenic und ich nicht mehr abends zusammen gelernt. Wir fühlten uns bei den Prüfungsvorbereitungen wieder in Studienzeiten zurückversetzt – auch eine Art Verjüngungskur!

Domenic und Jutta, frisch angekommen in Basel vor dem Start des CAS IZGG
Lernsession um 22:50 – das Paar fühlte sich in seine Studienzeit zurückversetzt.

Woher kommt euer Interesse an globaler Gesundheit – und warum war das Swiss TPH der richtige Ort für eine Weiterbildung?

JG: Ich habe mich schon oft gefragt, woher mein Interesse für humanitäre Hilfe und andere Kulturen kommt. Es steckt tief in mir drinnen.

Ich bin schon als Kind viel gereist und konnte so entdecken, wie bereichernd der Kontakt mit anderen Kulturen ist. Aber ich glaube nicht, dass das allein der Grund ist. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich globale Zusammenhänge verstehen will – auch im Hinblick auf die Ungleichheit in der medizinischen Versorgung: Möglichkeiten, die wir in der Schweiz selbstverständlich nehmen, sind anderswo schlicht nicht vorhanden.

DG: Mich motiviert besonders die Zusammenarbeit im Team und das gemeinsame Angehen von Herausforderungen – speziell im Kontext von Medizin und Global Health. Das Swiss TPH bietet eine herausragende Breite an Fachkompetenz und schafft es, Erfahrung und Wissen sehr praxisnah zu vermitteln.

JG: Das Swiss TPH war uns bekannt als DER Ort für globale Medizin. Ein anderes Institut kam für uns nie in Frage, insbesondere weil Basel für uns gut erreichbar war.

"Besonders wertvoll waren die Übungen zur Kommunikation und Körpersprache und die Erfahrungsberichte der Dozierenden – Dinge, die man nicht einfach nachlesen kann."

Gibt es einen Moment aus eurer Zeit am Swiss TPH, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

DG: Es ist weniger ein einzelner Moment als vielmehr die Gesamterfahrung. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die fachliche Breite der verschiedenen Kurse, die zusammen eine fundierte und umfassende Wissensbasis vermittelt haben. Dies gemeinsam mit einer hochmotivierten Gruppe von Teilnehmenden zu erleben, bleibt eine prägende Erinnerung.

JG: Es gab viele tolle Momente mit unseren vielseitigen Kommilitoninnen und Dozierenden. Ich saugte jeden Moment auf, weil alles so spannend war. Es war schön, andere Menschen zu treffen, die etwas zurückzugeben wollten. Ich denke gerne zurück an die Diskussionen in der Pause, beim Apéro oder beim Ausflug in den Zoo. 

Aber wenn ich ehrlich bin, denke ich auch an all die Abende, an denen ich gelernt und gehofft habe, dass es für die Prüfung reicht!

Begeisterte Student*innen des CAS IZGG.
Zoobesuch.

Wie hat euch die Weiterbildung weitergebracht – persönlich und beruflich?

DG: Besonders profitiert habe ich von der Schulung in interkultureller Zusammenarbeit, Kommunikation und gemeinsamer Lösungsfindung –Kompetenzen, die mich heute täglich in meiner Arbeit begleiten, in der Schweiz wie in internationalen Projekten.

JG: Für mich ist das ähnlich: Den grössten Einfluss auf meine Arbeit hatten die Kurse zur interkulturellen Kommunikation. Zu lernen, dass man Probleme nicht nur direkt, sondern auch zirkulär ansprechen kann, hat mir schon oft geholfen. Bei meinen Einsätzen in Kenia habe ich erlebt, wie entscheidend diese Art der Kommunikation für den Aufbau von Vertrauen ist – und dass sie keineswegs selbstverständlich ist.

Natürlich bin ich auch froh um die medizinischen, historischen, rechtlichen und geographischen Grundlagen. Aber besonders wertvoll waren die Übungen zur Kommunikation und Körpersprache und die Erfahrungsberichte der Dozierenden – Dinge, die man nicht einfach nachlesen kann.

Die Ultraschalldiagnostik war sehr wertvoll für den gemeinsamen Einsatz in Kenia.
Eine gute Übersetzung ist wichtig, um die kenianische Bevölkerung bestmöglich zu behandeln. Jutta arbeitete vor allem mit Frauen und Mädchen, aber auch Männer wurden in den Projekten medizinisch versorgt.
Für Jutta waren die schönsten Arbeitstage diejenigen, an denen die Behandlungen draussen unter einem Baum stattfanden. Es war zwar anstrengend wegen der Sonne, dem Staub und dem Wind, aber die Stimmung war einmalig.

Wo konntet ihr das Gelernte anwenden – und welche Projekte sind euch besonders in Erinnerung geblieben?

JG: Die ursprüngliche Idee, gemeinsam längere Zeit ins Ausland zu gehen, liessen wir aus verschiedenen Gründen fallen und entschieden uns für Kurzeinsätze, teilweise auch getrennt.

Anfangs war es nicht einfach als Osteopathin ein Projekt zu finden. Viele Organisationen sahen zwar einen Nutzen, hatten aber keine konkrete Einsatzmöglichkeit. Schlussendlich fand ich die kenianische Organisation Divinity Foundation, die regelmässig mit interdisziplinären Teams in abgelegene Regionen reist. Ich war bereits zwei Mal dabei und arbeitete anschliessend in einem Heim für Mädchen, die vor weiblicher Genitalverstümmelung und Kinderehe geflüchtet sind, sowie in einem Krankenhaus.

DG: 2025 arbeitete ich während sechs Wochen in einem Projekt auf Mindoro auf den Philippinen, mit Fokus auf medizinischer Grundversorgung für benachteiligte indigene Bevölkerungsgruppen. Im Herbst desselben Jahres war ich gemeinsam mit Jutta in einem medizinisch-osteopathischen Projekt in Kenia als Arzt tätig.

JG: Dass wir diesen Einsatz zusammen erleben konnten, war toll! Auch dieses Jahr werde ich wieder nach Kenia zurückkehren. Es bedeutet mir sehr viel, dass wir mit unserer Arbeit bei manchen Menschen einen echten – teils lebensverändernd – Unterschied machen können.

Domenic bei der Arbeit auf den Philippinen, wo er in einem Projekt zur medizinischen Grundversorgung für benachteiligte indigene Bevölkerungsgruppen tätig war.

Was würdet ihr euch für unsere Welt wünschen – im Grossen wie im Kleinen?

JG: Wenn alle realisierten, wie stark wir miteinander verbunden und voneinander abhängig sind, würden wir unserer Umwelt und unseren Mitmenschen mehr Sorge tragen. Ich wünsche mir, dass dieses Bewusstsein wächst, denn wir teilen mehr als nur die Luft zum Atmen.

DG: Was auch immer du tust – tue es mit Herz und Engagement. Sei offen, gehe auf Menschen zu. Nimm dir Zeit, höre zu und sei ganz präsent in dem, was du gerade tust.
 

Über den CAS Internationale Zusammenarbeit und globale Gesundheit