Kommentar: Erste lokale Chikungunya-Übertragung in der Schweiz bestätigt

04.11.2026

Im Schweizer Kanton Tessin wurden erstmals lokal übertragene Chikungunya-Fälle bestätigt. Diese Fälle verdeutlichen eine grössere Herausforderung: Wie können künftige Übertragungen in Regionen verhindert werden, in denen sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) etabliert hat? Pie Müller, medizinischer Entomologe und Leiter der Abteilung für Vektorbiologie am Swiss TPH, erläutert, was diese Fälle für die Schweiz bedeuten und warum nachhaltige Investitionen in Überwachung, Forschung und Mückenbekämpfung unerlässlich sind.

«Bislang stammten alle in der Schweiz gemeldeten Chikungunya-Fälle aus dem Ausland. Diese vier Fälle im Tessin bestätigen, dass es hier zu einer lokalen Übertragung kommen kann – eine Möglichkeit, auf die wir bereits seit einiger Zeit hingewiesen haben. Auch wenn das Risiko einer weiteren Übertragung aufgrund der nachlassenden Mückenaktivität derzeit sehr gering ist, zeigen diese Fälle, wie wichtig eine kontinuierliche Überwachung und Prävention ist.

Chikungunya verbreitet sich nicht durch alltäglichen Kontakt. Die Krankheit wird durch ein Virus verursacht, das von Mücken, darunter die asiatische Tigermücke und ihre tropische Verwandte, die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), von Mensch zu Mensch übertragen wird. Eine Mücke kann das Virus von einer infizierten Person aufnehmen und es nach einigen Tagen, in denen sich das Virus in ihrem Körper vermehrt hat, durch einen nachfolgenden Stich weitergeben. Zu den Symptomen zählen hohes Fieber sowie starke Gelenk- und Muskelschmerzen, wobei die Gelenkschmerzen manchmal Wochen, Monate oder sogar Jahre andauern können. Die meisten Menschen genesen, doch es kann zu schweren Krankheitsverläufen kommen, insbesondere bei Neugeborenen, älteren Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen. Da es keine spezifische antivirale Behandlung gibt, konzentriert sich die Versorgung auf die Linderung der Symptome.

Die Fälle im Tessin sind ein Weckruf für andere Regionen, in denen sich die Tigermücke etabliert hat – darunter auch Basel. Sie zeigen, dass sich die Übertragungssaison über mehrere Monate erstreckt und weit in den Herbst hineinreicht. Wärmere Herbstbedingungen halten die Tigermücken länger aktiv und beschleunigen die Vermehrung des Virus in ihrem Körper. Dadurch verlängert sich der Zeitraum, in dem eine Übertragung möglich ist.

Nach wie vor sind Reisende der Hauptübertragungsweg, über den das Chikungunya-Virus in die Schweiz gelangt. Wer aus tropischen oder subtropischen Regionen zurückkehrt und Fieber, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Hautausschlag oder Kopfschmerzen entwickelt, sollte umgehend einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren und über die Reiseziele informieren. Ebenso wichtig ist es, dass sich Rückkehrende noch zwei Wochen nach ihrer Rückkehr vor Mückenstichen schützen, da Infektionen auch asymptomatisch verlaufen können. So wird verhindert, dass eine im Ausland erworbene Infektion von einheimischen Tigermücken aufgenommen und hier weiterverbreitet wird.

Die Reduktion der Tigermückenpopulationen ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Prävention, denn je weniger Mücken es gibt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine eingeschleppte Infektion zu einer lokalen Übertragung führt. Durch das Entfernen, Abdecken oder regelmässige Entleeren von Behältern mit stehendem Wasser, in denen sich Tigermücken vermehren, können die Menschen vor Ort einen wichtigen Beitrag leisten. 

Am Swiss TPH überwachen wir die Tigermücke im Auftrag von Bund und Kantonen und untersuchen, welche Bekämpfungsmassnahmen unter den örtlichen Bedingungen am besten wirken. So können die Behörden ermitteln, wo Handlungsbedarf besteht, geeignete Massnahmen auswählen und deren Wirksamkeit beurteilen. Um diese Kapazitäten zu erhalten, braucht es weiterhin Investitionen. Werden sie jetzt gestärkt, lässt sich verhindern, dass sich kleine Ausbrüche zu grösseren Epidemien entwickeln.»
 

Informationen zu Gesundheitshinweisen für Reisende finden Sie auf der Website des Zentrums für Tropen- und Reisemedizin des Swiss TPH.

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an communicationsswisstph.ch.

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Updates zu Forschung, Projekten, Weiterbildung, Jobs und Veranstaltungen.