Kommentar: Warum sinkende Temperaturen Basels Tigermückenproblem nicht lösen

14.10.2026

Mit sinkenden Temperaturen werden die Tigermücken in Basel zwar seltener, doch ihre Eier können den Winter überstehen. Was bedeutet das für das kommende Frühjahr, nachdem es in dieser Saison besonders viele Tigermücken gab? Pie Müller, medizinischer Entomologe und Head of Vector Biology am Swiss TPH, erläutert die Herausforderungen bei der Bekämpfung der Tigermücke und zeigt, wie Forschung, Monitoring und abgestimmte Präventionsmassnahmen helfen können, das Problem in Basel einzudämmen.

«Wenn die Tage im Herbst kürzer werden, legen weibliche Tigermücken Eier, die den Winter in einem Ruhezustand überdauern. Im folgenden Frühjahr schlüpfen daraus die Larven. Da es in Basel dieses Jahr besonders viele Tigermücken gab, rechnen wir damit, dass auch zahlreiche Eier den Winter überstehen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig mit der Prävention zu beginnen.

Die Asiatische Tigermücke breitet sich aktuell in ganz Europa aus, auch in Basel. Steigende Temperaturen begünstigen ihre Vermehrung, und in Städten findet sie zahlreiche Brutstätten. Schon kleine Mengen stehenden Wassers in Topfuntersetzern, Dachrinnen oder Eimern reichen dafür aus. Entwässerungsschächte (Dolen) können besonders wichtige Brutstätten sein: Selbst bei längerer Trockenheit kann darin Wasser stehen bleiben, wie wir diesen Sommer in Basel beobachtet haben.

Am Swiss TPH erforschen wir die Tigermücke seit 2011. Unser Monitoring im Auftrag des Bundes und der Kantone, darunter Basel-Stadt, hilft den Behörden, Präventions- und Bekämpfungsmassnahmen gezielt einzusetzen und deren Wirksamkeit zu überprüfen.

Unsere Forschung zeigt auch, wie sich die Wirksamkeit solcher Massnahmen verbessern lässt. In Basel haben wir untersucht, in welchen Abständen Dolen mit VectoMax FG behandelt werden müssen. Das Präparat enthält Giftstoffe, die von natürlich vorkommenden Bakterien gebildet werden und Mückenlarven abtöten. Bei einer Behandlung alle vier Wochen liess sich die Zahl der daraus schlüpfenden erwachsenen Tigermücken um mindestens 90 % senken. Bei längeren Behandlungsabständen nahm ihre Zahl hingegen wieder zu. Diese Ergebnisse helfen den Behörden, die Behandlungsintervalle auf wissenschaftlicher Grundlage zu planen und die verfügbaren Mittel effizient einzusetzen.

Jetzt gilt es, sich auf das kommende Frühjahr vorzubereiten. Damit Prävention wirkt, müssen wir früh handeln und die Massnahmen auf öffentlichem und privatem Grund aufeinander abstimmen. Kanton und Gemeinden gehen bereits gegen Brutstätten im öffentlichen Raum vor. Dazu behandeln sie unter anderem Dolen mit Mitteln, die Mückenlarven abtöten. Bewohner:innen können diese Arbeit unterstützen, indem sie stehendes Wasser auf Balkonen und in Gärten beseitigen und Gefässe gründlich reinigen, um anhaftende Mückeneier zu entfernen. Wo sich stehendes Wasser nicht vermeiden lässt, etwa in Dolen auf Privatgrundstücken, können sie beim Kanton ein Larvizid, also ein Mittel gegen Mückenlarven, beziehen. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Kantons Basel-Stadt.

Für Basel geht es darum, die Bestände der Asiatischen Tigermücke dauerhaft zu verringern. Weitere Untersuchungen im Freiland und im Labor können zeigen, welche Kombinationen von Bekämpfungsmassnahmen unter den Bedingungen vor Ort am wirksamsten sind. Durch ein kontinuierliches Monitoring können wir zudem beurteilen, wie sich die Massnahmen über längere Zeit in den verschiedenen Quartieren auswirken.

Wissenschaftliche Erkenntnisse allein reichen jedoch nicht aus. Um die Tigermückenbestände in Schach zu halten, müssen Behörden und Bevölkerung langfristig zusammenarbeiten und ihre Massnahmen aufeinander abstimmen. Wie gut wir diese wachsende Herausforderung bewältigen, hängt davon ab, wie entschlossen und konsequent wir handeln – in der Vorbereitung auf das kommende Frühjahr ebenso wie in den kommenden Jahren.»
 

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an: communicationsswisstph.ch 

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