Im Rahmen eines neuen, von Unitaid finanzierten Projekts wird untersucht, wie Spatial Emanators (räumlich wirkende Repellents) – ein vielversprechendes neues Instrument zur Malariaprävention – in Ländern, in denen Malaria endemisch ist, wirksam eingesetzt werden können. Unter der Leitung des Swiss TPH und in Zusammenarbeit mit Partnern in verschiedenen Ländern wird das CONVINCE-Projekt praxisnahe Erkenntnisse liefern, um deren breitere Anwendung neben bestehenden Massnahmen zur Malariaprävention zu unterstützen.

Malaria übertragende Mücke Anopheles stephensi (Foto: J. Pelikan, Swiss TPH)
Obwohl in den letzten zwei Jahrzehnten erhebliche Fortschritte im Kampf gegen die Malaria erzielt wurden, stellt die Krankheit nach wie vor eine grosse Belastung für die globalen Gesundheit dar: 2024 gab es weltweit schätzungsweise 282 Millionen Malariafälle und mehr als 610'000 Todesfälle. Die derzeitigen Massnahmen gegen Malaria reichen allein nicht aus, um die Belastung deutlich zu verringern; vielmehr ist eine Kombination verschiedener Präventionsmassnahmen erforderlich. Viele Länder, in denen Malaria endemisch ist, haben jedoch begrenzte Ressourcen und müssen entscheiden, welchen Massnahmen sie Priorität einräumen. Gleichzeitig stellen Insektizidresistenzen, steigende Kosten und die jüngsten Kürzungen bei der Finanzierung der Malariabekämpfung die nationalen Malariaprogramme vor zusätzliche Herausforderungen.
Bedarf an praxisnaher Evidenz für den Einsatz von Spatial Emanators
Neue Instrumente wie Spatial Emanators könnten zusätzlich vor Malaria schützen. Spatial Emanators sind kleine Geräte, die einen Wirkstoff in ihre Umgebung abgeben. Dieser beeinflusst das Verhalten der Malaria übertragenden Anopheles-Mücken, indem er die Wirtssuche, das Stechen und die allgemeinen Überlebenschancen der Mücken verringert. Spatial Emanators könnten bestehende Massnahmen zur Malariaprävention wie mit Insektiziden behandelte Moskitonetze (ITNs) und das Sprühen von Insektiziden in Innenräumen (IRS) ergänzen. Im Gegensatz zu Moskitonetzen können Spatial Emanators Menschen auch tagsüber schützen, während sie zu Hause aktiv sind. Dies könnte zusätzlichen Schutz vor tagsüber stechenden Mücken wie Aedes bieten, die Viruserkrankungen wie Dengue übertragen können.
Im Jahr 2025 empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Vorbehalt den Einsatz von Spatial Emanators in Innenräumen als Ergänzung zu mit Insektiziden behandelten Moskitonetzen in Gebieten mit anhaltender Malariaübertragung. Es bestehen jedoch weiterhin erhebliche Wissenslücken hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihres Einsatzes in verschiedenen Umgebungen und gegen verschiedene Mückenarten sowie hinsichtlich der Frage, wie sie in grossem Umfang, gerecht und nachhaltig zur Verfügung gestellt werden können.
«Unser Ziel ist es, praxisnahe Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Spatial Emanators bestehende Massnahmen zur Malariaprävention sinnvoll ergänzen können. Die Ergebnisse werden künftige Leitlinien der WHO einfliessen, Länder bei evidenzbasierten Entscheidungen unterstützen und letztlich dazu beitragen, die Belastung durch Malaria zu verringern», sagte Nakul Chitnis, Projektleiter am Swiss TPH.
Im Rahmen des CONVINCE-Projekts werden Forschende des Swiss TPH gemeinsam mit Partnern in ausgewählten Ländern und globalen Partnern untersuchen, wie sich Spatial Emanators unter realen Bedingungen bewähren, und die Markteinführung neuer Produkte unterstützen. Sie werden die Wirkung der Spatial Emanators, ihre Kosten und die praktische Umsetzung sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Marktreife bewerten. Zudem zielt das Projekt darauf ab, besser zu verstehen, wie sich das Instrument auf Mücken auswirkt, sowohl allein als auch in Kombination mit anderen Massnahmen zur Vektorkontrolle und beim Einsatz im Innen- oder Aussenbereich. Ausgewählte Hersteller werden zudem dabei unterstützt, die erforderlichen Daten für eine WHO-Präqualifizierung für neue Spatial Emanator-Produkte zu erheben. Die gewonnen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Spatial Emanators wirksam, nachhaltig und unter Berücksichtigung der lokalen Bedürfnisse eingesetzt werden können.
«Spatial Emanators können Ländern eine zusätzliche Möglichkeit bieten, Menschen vor Malaria zu schützen. Doch Innovation allein reicht nicht aus, um Wirkung zu erzielen. Mit der Investition in CONVINCE trägt Unitaid dazu bei, Hürden bei der Evidenz, der Markteinführung und der Versorgung abzubauen. Indem wir die notwendigen Grundlagen für den Einsatz in den Ländern schaffen und eine stabile und wettbewerbsfähige Versorgung mit Spatial Emanators fördern, können wir dazu beitragen, dass dieses vielversprechende neue Instrument die Länder und Bevölkerung erreicht, die es am dringendsten benötigen», sagt Philippe Duneton, Exekutive Director von Unitaid.
CONVINCE (Country Operationalized Novel Vector Interventions for Malaria Control) wird mit dem CANVeCT-Konsortium (Catalysing the Adoption of a Novel Vector Control Toolbox) zusammenarbeiten, das vom Centre for Research in Infectious Diseases in Cameroon (CRID) geleitet wird. Beide Projekte werden von Unitaid unterstützt und sollen dazu beitragen, die Evidenzbasis zu stärken und den Zugang zu neuen Instrumenten zur Malariavektorkontrolle zu verbessern. Damit sollen den Ländern künftig zusätzliche Möglichkeiten zur Bekämpfung von Malaria zur Verfügung stehen.
Für Medienanfragen: communications@swisstph.ch
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