Mit den steigenden Temperaturen beginnt jetzt in der Schweiz auch wieder die Zeckensaison. Bereits ab etwa sieben bis acht Grad werden Zecken aktiv und durch die milden Winter dauert ihre Saison heute oft deutlich länger als früher. Esther Künzli, Co-Leiterin des Zentrums für Tropen- und Reisemedizin am Swiss TPH, erläutert.

"Zecken sind längst nicht mehr nur ein Thema für Waldspaziergänge im Sommer. Sie kommen heute fast in der ganzen Schweiz vor – in Wäldern, auf Wiesen, in Parks, Gärten und sogar in höheren Lagen bis auf rund 2000 Meter über Meer.
Besonders relevant sind zwei Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose. Beide Erkrankungen haben in den letzten Jahren in der Schweiz zugenommen
FSME ist eine Virusinfektion, die zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten führen kann. Die Erkrankung kann schwer verlaufen und in Einzelfällen bleibende neurologische Schäden hinterlassen. Mit Ausnahme des Kantons Tessin gilt inzwischen die ganze Schweiz als FSME-Risikogebiet. Gegen FSME gibt es eine sichere und gut wirksame Impfung. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt sie für alle Personen, die sich in Risikogebieten gegenüber Zecken exponieren – also im Prinzip für die gesamte Bevölkerung, im Allgemeinen ab dem Alter von drei Jahren.
Borreliose hingegen wird durch Bakterien verursacht und ist deutlich häufiger. Sie kann unter anderem Haut, Gelenke, Herz und Nervensystem betreffen. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, allerdings kann bei Erkrankung mit Antibiotika behandelt werden. Da Borrelien weniger schnell von der Zecke auf den Menschen übertragen werden als FSME ist das rasche Entfernen einer Zecke besonders wichtig. In der Schweiz tragen schätzungsweise 5 bis 30 Prozent der Zecken Borrelien, etwa 1 Prozent das FSME-Virus.
Viele Menschen unterschätzen das Risiko, weil Zeckenstiche oft unbemerkt bleiben. Prävention beginnt deshalb vor dem Stich: lange Kleidung, geschlossene Schuhe, Repellentien, das Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Grünen – und: ein aktueller FSME-Impfschutz."
Esther Künzli ist Co-Leiterin des Zentrums für Tropen- und Reisemedizin am Swiss TPH. Sie ist Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie Tropen- und Reisemedizin und berät Patientinnen und Patienten zu Impfungen, reisemedizinischen Risiken und Infektionskrankheiten.
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