COVCO-Basel wird weitergeführt als COVCO+
Die COVCO-Basel-Langzeitstudie wurde während der COVID-19 Pandemie aufgebaut. Sie untersuchte die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der Pandemie und der Schutzmassnahmen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung in Basel-Stadt und Basel-Landschaft.
Nun wurde eine neue Phase der COVCO-Basel-Studie finanziert und die Studie wird als COVCO+-Studie weitergeführt. Die Namensänderung läutet somit eine neue Phase der Studie ein. In der ersten Phase der Studie, die während der Pandemie durchgeführt wurde, standen COVID-19 und die Schutzmassnahmen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden im Fokus. In der neuen Phase verschiebt sich der Fokus von Pandemie-bezogenen Themen zu der Frage, welche Faktoren in unserem Wohn- und sozialen Umfeld uns langfristig gesund und zufrieden halten. Mit dieser Forschung soll weiterhin dazu beigetragen werden, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung zu stärken. Das Thema COVID-19 wird die Studie allerdings auch weiterhin begleiten, insbesondere dessen langfristige Folgen.
Informationen zu COVCO+
Der Fokus von COVCO+ liegt auf der Herz-Kreislauf-Gesundheit – unter dem Motto “Gesundes Umfeld und gesunde Herzen in der Region Basel“. Eine Vielzahl verschiedener Faktoren in unserem Umfeld und in unserem Verhalten beeinflusst direkt oder indirekt unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, insbesondere unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit. Wir wollen untersuchen, wie die verschiedenen (altbekannten und neuen) Faktoren, die die Gesundheit einschränken oder fördern, in der Bevölkerung und geografisch in der Region Basel verteilt sind. Ein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Frage, wie die physische Wohnumgebung und das soziale Umfeld einen gesunden Lebensstil fördern und die Herz-Kreislauf-Gesundheit stärken können.
COVCO+ hat das Ziel, Entscheidungsträger*innen in den Bereichen Raumplanung, Architektur, Umwelt, und Gesundheit mit Forschungsresultaten so zu unterstützen, dass sie die Umwelt-, Sozial- und Wohnbedingungen der Menschen in der Region Basel gesünder gestalten zu können.
In dieser Phase wird es wieder Online-Fragebögen geben und neu auch eine Gesundheitsuntersuchung für interessierte Teilnehmende. Im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung werden unter anderem der Blutdruck gemessen, die Körperzusammensetzung mittels einer Fitnesswaage untersucht, ein Lungenfunktionstest durchgeführt und Blut abgenommen. Vor Ort werden im Blut die Blutfette, der Langzeitblutzuckerwert und die Nierenfunktion analysiert. Alle unmittelbaren Ergebnisse der Messungen erhalten die Teilnehmenden direkt nach der Untersuchung für ihre Unterlagen.
Anmeldung für SAPALDIA-Teilnehmende
Wenn Sie bereits an der SAPALDIA-Studie teilnehmen und einen Brief mit der Einladung zu COVCO+ erhalten haben, können Sie über den Button „Teilnehmen an COVCO+ als SAPALDIA-Teilnehmende“ an der COVCO+-Studie teilnehmen, indem Sie sich mit dem Zugangscode aus dem Brief anmelden. Bei Fragen zur Anmeldung, zum Zugangscode oder zu COVCO+ allgemein können Sie sich gerne bei uns melden.
Neuste Resultate der COVCO-Basel-Studie
Expositionskarten der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft
Umwelteinflüsse sind wichtige Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen können. Um einen ersten Überblick über die Umwelteinflüsse in Basel-Stadt und Basel-Landschaft zu erhalten, haben wir Expositionskarten erstellt, die zeigen, welcher Belastung die Kantone durch verschiedene Umwelteinflüsse ausgesetzt sind. Die Karten zeigen nicht nur die Belastung durch Luftverschmutzung, sondern auch weitere wichtige Umweltfaktoren wie Temperatur, Begehbarkeit und den Zugang zu Grünflächen. Damit lassen sich Unterschiede in der Umweltbelastung zwischen Stadtteilen und Gemeinden sichtbar machen und Grundlagen für Forschung und Planung zur Förderung einer gesünderen Region Basel schaffen.

Modellierte Stickstoffdioxid (NO2) Belastung im Jahr 2019, Jahresmittelwert pro 25mx25m. Der WHO-Richtwert für den Jahresmittelwert von NO2 ist bei 10 µg/m3 angesetzt. Aktuell gilt in der Schweiz 30 µg/m3, doch empfiehlt die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene eine Senkung des Grenzwertes auf den WHO-Richtwert.

Modellierte Feinstaubbelastung (PM2.5) im Jahr 2019, Jahresmittelwert pro 25mx25m. Der WHO-Richtwert für den Jahresmittelwert von PM2.5 ist bei 5 µg/m3 angesetzt. Aktuell gilt in der Schweiz 10 µg/m3, doch empfiehlt die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene eine Senkung des Grenzwertes auf den WHO-Richtwert.

Modellierte Ozonbelastung (O3) im Sommer 2019, Mittelwert pro 25mx25m. Der WHO-Richtwert für den Sommersaisonmittelwert von O3 ist bei 60 µg/m3 angesetzt. Die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene empfiehlt die Einführung des WHO-Richtwertes für die Sommersaison. Aktuell gilt in der Schweiz für O3 ein saisonunabhängiger 1-Stunde-Mittelwert von 120 µg/m3 (d.h. der 1-Stunde-Mittelwert von O3 darf höchstens einmal pro Jahr überschritten werden).

Modellierte Temperaturverteilung im Jahr 2020, Jahresmittelwert pro 1000mx1000m.

Modellierter Begehbarkeitsindex im Jahr 2020, Mittelwert pro 100mx100m. Je höher der Wert, umso zugänglicher ist die bebaute Umgebung für Fussgänger*innen. Weisse Quadrate gelten als nicht begehbar.

Modellierter Index von versiegelter Fläche (Versiegelung), im Jahr 2018, Mittelwert pro 100mx100m. Versiegelung ist die Abdichtung von Flächen mit undurchlässigen Materialien wie Asphalt und Beton. Je höher der Index, umso stärker sind die Flächen versiegelt.
Allgemeines Wohlbefinden von Landwirt*innen: Ergebnisse aus der FarmCoSwiss-Studie im Vergleich zur COVCO-Basel-Studie
Im Rahmen von FarmCoSwiss, einer weiteren Studie des Swiss TPH zur Gesundheit der landwirtschaftlichen Bevölkerung in der Schweiz, wurde untersucht, wie es Schweizer Landwirt*innen in Bezug auf ihr allgemeines Wohlbefinden („Flourishing“) geht. Zum Vergleich wurden Daten aus der COVCO-Basel-Studie herangezogen, die das Wohlbefinden der allgemeinen Bevölkerung erfasst hat. Dabei zeigte sich, dass die 872 befragten Landwirt*innen insgesamt ein etwas geringeres Wohlbefinden aufwiesen als die 7‘220 Teilnehmenden aus der COVCO-Basel Studie. Im Durchschnitt berichteten die COVCO-Teilnehmenden in den Bereichen „Glück und Lebenszufriedenheit“, „enge soziale Beziehungen“, „finanzielle und materielle Stabilität“ sowie „psychische und körperliche Gesundheit“ von leicht höheren Werten als die Schweizer Landwirt*innen. Besonders im Bereich „psychische und körperliche Gesundheit“ schnitten sie schlechter ab. Lediglich in den Bereichen „Sinn und Zweck“, sowie „Charakter und Tugend“ lagen die FarmCoSwiss-Teilnehmenden leicht höher als die Teilnehmenden der COVCO-Basel-Studie. Zudem berichteten viele Landwirt*innen, dass sie häufig biologischen Gefahren (z. B. Kontakt mit Tieren oder Staub) ausgesetzt sind. Als besonders belastend empfanden sie jedoch psychosoziale Gefahren wie Stress, Schlafprobleme oder Konflikte, die klar mit einem geringeren Wohlbefinden zusammenhingen. Kleine Betriebe (unter 5 Hektar) zeigten das niedrigste Wohlbefinden, vor allem im Bereich finanzielle und materielle Stabilität. Biobäuer*innen berichteten über ein höheres Wohlbefinden in den Bereichen Glück, Gesundheit und Lebenssinn, während Landwirt*innen in der konventionellen Landwirtschaft etwas bessere soziale Beziehungen angaben. Zusammenfassend zeigt sich im Vergleich zur COVCO-Basel-Studie, dass Schweizer Landwirt*innen ein etwas geringeres Wohlbefinden haben. Besonders psychosoziale Belastungen und kleine Betriebsgrössen wirken sich negativ aus. Massnahmen zur psychischen Entlastung und Unterstützung kleiner Höfe könnten helfen, das Wohlbefinden in der Landwirtschaft zu verbessern. Den vollständigen Artikel finden Sie in Swiss Medical Weekly.
Vergleich von GPS-Tracking Methoden zur Erfassung von Luftverschmutzung und dessen Herausforderung
Eine andere Studie des Swiss TPH mit dem Titel MOBI-AIR untersuchte, wie genau sich die persönliche Belastung durch Luftverschmutzung erfassen lässt. In bisherigen Untersuchungen wird meist nur der Wohnort berücksichtigt – dabei verbringen Menschen viel Zeit an anderen Orten. Um ein realistischeres Bild zu gewinnen, wurden Teilnehmende in der Schweiz und den Niederlanden zwei Wochen lang per GPS verfolgt. Sie nutzten sowohl eine Smartphone-App als auch ein spezielles GPS-Gerät. In der Schweiz stammten die Teilnehmenden aus der COVCO-Basel-Studie, was eine hohe Beteiligung ermöglichte. Die Ergebnisse zeigten, dass einfache Smartphone-Apps meist ausreichen, um die Luftverschmutzung über längere Zeiträume zuverlässig zu erfassen. Die Übereinstimmung mit den genaueren GPS-Geräten war insbesondere bei Stickstoffdioxid (NO2) hoch, während sie bei Feinstaub (PM2.5) etwas geringer ausfiel. Die beste Übereinstimmung ergab sich bei Messungen zu Hause. Insgesamt zeigt die Studie, dass Mobilitätsdaten entscheidend sind, um die tatsächliche Luftverschmutzungsbelastung besser zu verstehen, und dass Smartphone-basierte Erhebungen eine praktische und kostengünstige Methode dafür bieten. Den vollständigen Artikel finden Sie im International Journal of Health Geographics.
Luftverschmutzung: Reicht die Wohnadresse zur Messung der Belastung aus?
In grossen wissenschaftlichen Studien wird der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Gesundheit meist nur auf Basis des Wohnorts der Teilnehmenden untersucht. Dabei bleibt jedoch unberücksichtigt, dass sich Menschen im Alltag bewegen: Sie pendeln zur Arbeit, treiben Sport oder halten sich an verschiedenen Orten im Freien auf, wo sie einer ganz anderen Luftqualität ausgesetzt sein können als zu Hause. Die MOBI-AIR-Studie untersuchte in der Schweiz und den Niederlanden, ob die Messung der Luftverschmutzung allein an der Wohnadresse ausreicht, um die tatsächliche Belastung der Menschen im Alltag zu bestimmen. Zu diesem Zweck wurden die Mobilitätsmuster von über drei Millionen Menschen in der Schweiz und den Niederlanden mithilfe von Computermodellen simuliert und mit Daten zur Belastung durch Stickstoffdioxid und Feinstaub verknüpft. Um die Genauigkeit dieser Modelle zu überprüfen, wurden sie mit echten GPS-Daten von fast 700 Testpersonen abgeglichen. In der Schweiz waren dies Teilnehmende der COVCO-Basel-Studie. Durch den Vergleich von GPS-Daten, Tagebüchern und Computermodellen stellten die Forschenden fest, dass die Belastung am Wohnort sehr stark mit der tatsächlichen Belastung übereinstimmt, der Menschen auf ihren täglichen Wegen (z. B. zur Arbeit) ausgesetzt sind. Auch bei der Analyse von Gesundheitsfolgen, wie der natürlichen Sterblichkeit oder dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ergaben sich kaum Unterschiede. Obwohl Mobilitätsmodelle helfen können, die Genauigkeit zu verfeinern, bestätigt die Untersuchung, dass die Wohnadresse ein praktikabler und verlässlicher Massstab für die langfristige Belastung durch Schadstoffe wie Stickstoffdioxid und Feinstaub in großen Gesundheitsstudien ist. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass dies in Gebieten mit völlig anderen Bewegungsmustern anders sein könnte und dass weiterhin an der Verbesserung der Messmethoden gearbeitet werden sollte, um die Genauigkeit der Ergebnisse in der epidemiologischen Forschung stetig zu erhöhen. Die vollständigen Artikel finden Sie in HEI Research Reports, Journal of Exposure Science & Environmental Epidemiology und Environment International.
Depressionsverläufe während der Pandemie COVID 19 in der qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung der Schweiz
Im Rahmen der COVCO-Studie beantworteten die Studienteilnehmer 18 monatliche Online-Fragebögen. Die Depressionssymptome wurden wiederholt mit der Depression-Angst-Stress Skala (DASS-21-Skala) gemessen. Dabei wurden drei verschiedene Verläufe identifiziert: In der Gruppe der "stark Betroffenen" (13%) waren mehr jüngere und weibliche Teilnehmer, die ein niedrigeres Durchschnittseinkommen hatten, häufiger an Depressionen litten und allein lebten. Die Mehrheit der "nicht Betroffenen" (52%) hatte ein mittleres oder hohes Durchschnittseinkommen, ein höheres Durchschnittsalter, keine früheren Depressionssymptome und lebte nicht allein. Zwischen diesen beiden "extremen" Gruppen lag die Gruppe der "mäßig Betroffenen" (35 %). Die COVCO-Studie ist eine der wenigen, die den Verlauf von Depressionen bis zu dem Zeitpunkt untersuchte, als die COVID-19-Impfung für die gesamte Bevölkerung leicht verfügbar war. Während dieser 18 Monate der Pandemie nahmen die depressiven Symptome bei einem signifikanten Prozentsatz der Teilnehmer zu. Wirtschaftliche Unterstützung, ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem und moderate Eindämmungsmaßnahmen schützten nicht alle Bevölkerungsgruppen ausreichend vor den negativen, möglicherweise langfristigen psychischen Auswirkungen der Pandemie. Den vollständigen Artikel finden Sie im Magazin Public Health.
Wohnen im Grünen und Lebenszufriedenheit zu Zeiten von COVID-19: eine Querschnittsanalyse von 9444 Teilnehmern einer bevölkerungsbasierten Studie in Basel-Stadt und Basel-Landschaft
Die COVCO-Basel Studie des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) untersucht seit Beginn der Pandemie die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Neue Studienresultate zeigen, dass während der Pandemie lediglich Personen mit einem hohen Einkommen von viel Grünfläche im Umfeld Ihres Zuhauses profitierten. Ein hohes Mass an Grünfläche am Wohnort konnte hingegen die Zufriedenheit von Menschen mit tieferen Einkommen nicht verbessern. Den vollständigen Artikel finden Sie in Swiss Medical Weekly.
Finanzierung
Das Forschungsprojekt wird von mehreren Geldgebern finanziert: Kanton Basel-Stadt; Universität Basel; Swiss TPH; Novartis Foundation; Roche Diagnostics. Hiermit tätigen der öffentliche und private Sektor gemeinsam eine langfristige Investition für die Förderung einer gesunden Region Basel.