Die Zahl der gemeldeten Fälle von Legionellose-Erkrankungen ist in der Schweiz in den vergangenen Jahren gestiegen. Aufgrund der aktuellen Häufung im Kanton Basel-Stadt ist die Krankheit erneut in den Fokus gerückt. Daniel Mäusezahl, Epidemiologe am Swiss TPH, erklärt, wie es zu Infektionen mit Legionellen kommt und wie die Forschung zu einer besseren Überwachung und Prävention beitragen kann.

«Die Zahl der gemeldeten Fälle von Legionärskrankheit, einer schweren Form der Lungenentzündung, die durch Bakterien der Gattung Legionella verursacht wird, ist in der Schweiz in den vergangenen Jahren gestiegen. Mit jährlich rund 500 bis 600 gemeldeten Fällen ist die Krankheit jedoch nach wie vor relativ selten und das allgemeine Risiko für gesunde Menschen ist gering. Das aktuelle Cluster in Basel-Stadt zeigt dennoch, wie wichtig es ist, die Entstehung von Infektionen mit Legionellen zu verstehen und zu untersuchen, wie die Forschung zu einer besseren Prävention beitragen kann.
Legionellen kommen natürlicherweise in Süsswasser, in Sanitärinstallationen und im Boden vor – zum Beispiel in Kompost, Gartenschläuchen, Duschen, Kühltürmen, Zierbrunnen oder Autowaschanlagen – und wir kommen regelmässig mit ihnen in Kontakt. Die meisten in der Umwelt vorkommenden Stämme stellen kaum ein Risiko für die menschliche Gesundheit dar. Bestimmte Stämme können sich jedoch in künstlichen Wassersystemen vermehren und über feine Wassertröpfchen verbreiten. Eine Infektion tritt dann auf, wenn diese Aerosole eingeatmet oder kontaminiertes Wasser aspiriert wird. Die Legionärskrankheit wird in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragen, und das Verschlucken von verunreinigtem Wasser führt normalerweise nicht zu einer Infektion. Es ist daher wichtig, die Entwicklung der gemeldeten Fälle genau zu beobachten und bei einem plötzlichen Anstieg der Fallzahlen rasch auf allfällige Cluster zu reagieren. Diese Überwachung wird bereits vom Bundesamt für Gesundheit und den kantonalen Behörden durchgeführt.
Am Swiss TPH arbeiten wir eng mit dem Bundesamt für Gesundheit, Mikrobiolog:innen, Bioinformatiker:innen und klinischen Fachpersonen aus 20 Universitäts- und Kantonsspitälern zusammen. Ziel ist, die Erkennung der Legionärskrankheit im klinischen Alltag weiter zu verbessern, die Überwachung zu stärken und mögliche Infektionsquellen zu untersuchen.
Unsere Forschung weist auf zwei zentrale Voraussetzungen für eine wirksame Überwachung der Legionärskrankheit hin. Erstens sollten Fälle frühzeitig erkannt und möglichst vollständig dokumentiert werden. Dazu gehören auch Angaben dazu, wo die betroffenen Personen möglicherweise mit Legionellen in Kontakt gekommen sind. So lassen sich ungewöhnliche Häufungen leichter erkennen und gezielte Abklärungen einleiten.
Zweitens sollten Legionellen nach Möglichkeit aus Atemwegsproben von Patientinnen und Patienten isoliert und genetisch charakterisiert werden. Angaben zu möglichen Expositionen können den Fachpersonen dabei helfen zu entscheiden, wo Umweltproben entnommen werden sollten, beispielsweise aus Wassersystemen. Durch den Vergleich der genetischen Profile von Bakterien aus Patienten- und Umweltproben lassen sich mögliche Zusammenhänge erkennen und potenzielle Infektionsquellen zurückverfolgen.
Idealerweise würden diese genetischen Daten in einer nationalen Datenbank zusammengeführt, ähnlich wie während der COVID-19-Pandemie. Dadurch könnten räumliche und zeitliche Muster früher erkannt, potenzielle Quellen schneller zurückverfolgt und gezielte Massnahmen unterstützt werden. Die Kantone spielen bereits heute eine zentrale Rolle bei der Überwachung und der Untersuchung von Ausbrüchen. Eine nationale Datenplattform könnte ihre Arbeit ergänzen und unterstützen, indem sie den Informationsaustausch über Kantonsgrenzen hinweg erleichtert.
Zusammen könnten diese Massnahmen die Prävention und Überwachung der Legionärskrankheit stärken – sowohl bei gelegentlichen grösseren Ausbrüchen wie zuletzt in Basel-Stadt als auch bei den zahlreichen Einzelfällen, die jedes Jahr in der ganzen Schweiz gemeldet werden.»
Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an: communications@swisstph.ch
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